99 Jahre Fundwiederkehr
noch 1 Jahr bis zur Jubiläumsfeier des weltbekannten Homo heidelbergensis

Die Planungen zum Jubiläumsjahr 2007 laufen auf Hochtouren. Die 99. Fundwiederkehr nehmen Bürgermeister Jörg Albrecht und der noch junge Verein Homo heidelbergensis von Mauer e.V. mit seinem Vorsitzenden Erich Mick zum Anlass, über den Urmenschenfund von Mauer und die im Jubiläumsjahr geplanten Aktivitäten zu informieren.

 

Die Bedeutung des Urmenschenfundes von Mauer

Holotyp Homo heidelbergensisDie Entwicklungsgeschichte der Menschheit mit ihren spektakulären Funden ist für Laien und Wissenschaftler ein spannendes Thema. Als einer der frühesten und wichtigsten Funde gilt der eines menschlichen Unterkiefers aus der Mauerer Sandgrube im Gewann Grafenrain. Am 21. Oktober 1907 ließ der Sand­arbeiter Daniel Hartmann beim Abendschoppen wissen: „Heit hawwi de Adam gfunne“. Der Unterkiefer wurde von Prof. Otto Schoetensack beschrieben und die zugehörige Menschenart Homo heidelbergensis genannt. Zu jener Zeit waren weltweit erst zwei weitere Ur­men­schenarten bekannt: Homo nean­derthalensis und Pithecanthropus, später Homo erectus. Heute nimmt der über 600.000 Jahre alte Homo heidelbergensis aus Mauer– nach wechselvoller wissenschaftlicher Forschungsgeschichte – eine zentrale Stellung im menschlichen Stammbaum ein. Er ist namensgebend für alle Urmenschen, die mit den gleichen Merkmalen in Afrika und in Europa gefunden wurden; all seine asiati­schen Verwanden werden heute Homo erectus  genannt. Vor über 1 Mio. Jahre entwickelten sich die Heidelberger Menschen in Afrika, von wo aus sie sich ausbreiteten. Aus ihrer Art entstanden vor rd. 200.000 Jahren zum einen die Neandertaler und zum anderen wir, die Modernen Menschen.

 

Blick in die Historie des Fundortes

Der Unterkiefer machte die Gemeinde Mauer als Fundort weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Zum Dank verlieh sie 1948 dem Finder Daniel Hartmann die Ehrenbürgerschaft. 1967 gedachte man der 60-jährigen Fundwiederkehr mit einem wissenschaftlichen Kongress und mit einem Gedenkstein. Unter Bürgermeister E. Mick wurde der Fundwiederkehr regelmäßig in Jubiläumsveranstaltungen gedacht; auch die Wissenschaft forschte verstärkt am Homo heidelbergensis. 1977 fand der erste Vortrag mit dem langjährigen Kustos des Urmenschen und großen Freund der Gemeinde Mauer  Dr. Reinhard Kraatz und mit Professor H. Querner statt; ein weiterer Gedenkstein kam in die Sandgrube. Zur 75. Fundwiederkehr konnte 1982 das kleine und seither von vielen Besuchern besichtigte Urgeschichtliche Museum im Rathaus der Gemeinde Mauer eingeweiht werden. Ein Sonderstempel der Deutschen Post wies auf den Fund hin. 1990 fanden rd. 300 Wissenschaftler eines Internationalen Archäometrie-Kongresses ihren Weg nach Mauer. 1992 und 1997 wurden zum 85 und 90-jährigen Festakt jeweils ein neues Buch über die Funde und Forschungsergebnisse aus den Mauerer Sanden präsentiert. Sonderausstellungen zum Homo heidelbergensis zeigten die Reiss-Engelhorn-Museen 1992 und 2003 in Mannheim und das Kurpfälzische Museum Anfang 2006 in Heidelberg.

 

Mehr als ein Verein

2001 gründeten 18 engagierte Bürger und Wissenschaftler den Verein „Homo heidelbergensis von Mauer e.V.". Der Verein mit seinen mittlerweile über 300 Mitgliedern hat sich große Ziele gesteckt. Er unterstützt die Gemeinde Mauer in ihrem Bestreben, die Bedeutung des Fundes bewusst zu halten und fördert die  Erforschung des Homo heidelbergensis und seines Umfeldes. Die enge Verzahnung zwischen Gemeinde und Verein habe sich ausgezeichnet entwickelt, so Bürgermeister J. Albrecht. Im Interesse und im Bewusstsein der großen Bedeutung für Mauer als Fundort sei er froh und dankbar über die Aktivitäten, die er und sein Gemeinderat gerne unterstützen.

Heute kann sich jeder im Vereins- und Informationszentrum im Heid’schen Haus, Bahnhofstraße 4 über den Homo heidelbergensis und die Vereinsarbeit informieren. In Arbeitskreisen und im Jugendclub werden unterschiedliche Themen von aktiven Mitgliedern bearbeitet. In der Ellen Lauterbach Bibliothek werden Fachliteratur sowie historisches Bildmaterial und Dokumente, teils aus Nachlässen, gesammelt. Ebenfalls betreut werden alte und aktuelle Bildmaterialien aller örtlichen Geschehnisse für das Gemeindearchiv. Wissenschaftliche Projekte können – dank der Förderung durch die  Klaus Tschira Stiftung gGmbH durchgeführt werden. Der Verein führt Besucher in die Sandgrube, im Museum des Rathauses und im Informationszentrum. Stets sehr gut besucht sind die angebotenen öffentlichen Vorträge. Ein großes Ziel ist nach wie vor die Errichtung eines neuen, repräsentativen Museums – ein Hominidenzentrum, das der Bedeutung des Fundes in der Metropolregion Rhein-Neckar und weit darüber hinaus gerecht wird.

 

Festjahr 2007 mit dem Originalunterkiefer in Mauer

Für das Jahr 2007 sind zahlreiche Aktionen zur Feier der 100sten Fundwiederkehr vorgesehen: So wird von Mitte Juni bis Ende November 2007 der Original-Unterkiefer in Mitten einer Sonderausstellung im Heid’schen Haus zu sehen sein. Das Urgeschichtliche Museum wird überarbeitet und die Sandgrube für die Besucher gesichert und anschaulich hergerichtet. Hier stehen in nächster Zeit in Übereinstimmung mit den Naturschutzbehörden umfangreiche Arbeiten zur Freilegung einer Sandwand bis auf das Fundniveau an. Begleitend zur Ausstellung sind zahlreiche Veranstaltungen zur Experimentellen Archäologie und Führungen geplant. Mit großem Engagement ist eine Multimedia-Produktion in Arbeit. Deren Aufführung erfolgt anlässlich der Feierlichkeiten zur 100. Fundwiederkehr am 20. und 21. Oktober 2007. Im Studio der Villa Bosch wird es ein internationales Symposium geben. Neue Bücher und Schriften er­scheinen und Vorträge stehen im Programm.

 

Bei all den genannten und weiteren Vorhaben werden der Verein und die Gemeinde vielseitig und auf dankenswerter Weise unterstützt. Hilfe kommt von den verbundenen Museen und Universitäten, insbesondere den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe, dem Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Heidelberg oder auch vom Geopark Bergstraße-Odenwald. Ohne die finanzielle Förderung, so besonders durch die Klaus Tschira Stiftung gGmbH und anderen Förderern wäre vieles 2007 nicht realisierbar, so das Resümee von Bürgermeister Jörg Albrecht und Vorsitzender Erich Mick. Man hofft noch weitere Sponsoren für dieses einmalige Ereignis zu gewinnen um dadurch alle geplanten Vorhaben im Jubiläumsjahr realisieren zu können.